Das Wunder
Die Geschichte von den beiden Medizinstudenten, die ihr Geld auf eine
merkwürdige Art verdient haben, hat sich vor vielen Jahren ereignet.
Heute sind die Menschen nicht mehr so leichtgläubig- so glauben wir
zumindest.
Die beiden Studenten fuhren in eine kleine Stadt und stiegen dort in einem
Gasthaus ab.Der Wirt fragte sie, So wie es üblich ist, nach ihrem Namen,
ihrem Beruf und wie lange sie bleiben wollen. "Wir bleiben etwa vier
Wochen", sagten die Fremden, "und sind berühmte Ärzte aus Glockstadt.
Erzählen sie das aber keinem Menschen, denn wir wollen hier ein Experiment
machen, und dazu brauchen wir Ruhe."
"was ist das für ein Experiment?" fragte der neugierige Wirt.
"In Glockstadt ist uns ein Wunder gelungen. Wir haben nämlich Tote wieder
lebendig gemacht. Dieses Experiment zu dem wir dort drei Wochen gebraucht
haben, wollen wir hier unter anderen Bedingungen wiederholen."
Dabei zeigten die Fremden dem Wirt eine Urkunde des Bürgermeisters von
Glockstadt, welches diese unglaubliche Sache bestätigte.
Es war klar, dass der Wirt diese merkwürdige Geschichte sofort weiter
erzählte. zuerst lachten die Leute darüber, aber die Fremdeen wurden
interessant. Man beobachtete sie und sah , dass sie oft auf den Friedhof
gingen und lange vor einigen Gräbern stehen blieben.
So standen sie auch besonders lange vor einem Grab, in dem die junge Frau
eines reichen Kaufmanns lag.
Sie sprachen mit den Leuten und fragten nach dieser Frau und nach anderen
Toten , die auf dem Friedjof lagen.
Allmählich geriet die Stadt in eine seltsame Aufregung. Der Kaufmann war der
Erste , der wirklich an das Gelingen des Wunder-Experiments glaubte. Er
sprach darüber mit den Ärzten der Stadt,die jetzt auch ernste Gesichter
machten. In Glockstadt hatte das experiment drei Wochen gedauert, diese Zeit
war hier nun fast vergangen. Es musste nun was geschehen.
Am Ende der dritten Woche erhielten die Fremden vom Kaufmann einen Brief. "
Ich hatte eine Frau ", schrieb er, "die ein Engel war, aber eine schwere
Krankheit hatte. Ich habe sie sehr geliebt, aber gerade deshalb will ich
nicht, dass sie in ihren kranken Körper zurückkehrt. Stören sie ihre Ruhe
nicht!" In dem Umschlag war ein grosser Geldschein, der als ein Honorar
gelten sollte.
Nach diesem ersten Brief kamen andere.
Ein Neffe war sehr besorgt um seinen toten Onkel, den er beerdigt hatte.
Eine Frau, die nach dem Tod ihres MAnnes wieder geheiratet hatte, schrieb:
"Mein MAnn war alt und wollte nicht mehr leben. Er hat seine Ruhe verdient!"
Diese und andere Briefe kamen, und immer wieder lag auch ein Geldbetrag im
Umschlag!
Die Fremden sagten nichts zu den Briefen und setzten ihre Friedhofsbesuche
nun auch Nachts fort. Da griff der Bürgermeister der Stadt ein. Er war noch
nicht lange der Bürgermeister und wollte es aber lange bleiben. Er bot den
Fremden einen grossen Geldbetrag an. "Unsere Bedingungen sind", schrieb er
"dass Sie ihre Experimente hier nicht fortsetzen und sofort die Stadt
verlassen. wir glauben Ihnen, dass sie Tote wieder lebendig machen können,
und geben ihnen auch eine Urkunde darüber. Wunder wollen wir hier nicht."
Die beiden Fremden, denen das Experiment gelungen war, nahmen das Geld und
die Urkunde, packten ihre Koffer und verliessen die Stadt.